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AustreliaS auf Entdeckungsreise...

Der Australienforscher Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt

Eine Spurensuche Downunder
von Claudia Karsunke alias AustreliaS


Ein weiter Weg... 



Entdeckung mit Folgen

Nachdem ich zurück in Deutschland war, führten mich meine ersten Recherchen zum Bücherregal. Im Brockhaus entdeckte ich tatsächlich diesen irgendwie sehr deutsch klingenden Namen und fand eine kurze Erklärung:

Leichhardt, Friedrich Wilhelm Ludwig, Australienforscher, geboren am 23.10.1813 in Trebatsch; verschollen 1848 in Australien…

 

Ich war augenblicklich gefangen von dem, was ich da las. Es folgten Nachforschungen in Bibliotheken und Museen, in verschiedenen Archiven in ganz Deutschland. Schließlich begab ich mich auf die Suche nach der Familie, aus der auch Leichhardt stammte.
Die Öffnung der Mauer im November 1989 bescherte mir einen Hinweis auf seinen Ururgroßneffen. Ich machte mich also auf den Weg nach Ost-Berlin und stand dem lebenden Abbild dieses deutschen Naturforschers aus dem 19. Jahrhundert verblüfft gegenüber. Dieser Ludwig Leichhardt vor mir war dem Original so ähnlich, dass ich nur staunen konnte. Er war ihm wie aus dem Gesicht geschnitten, sodass ich das Gefühl hatte, dem Entdeckungsreisenden persönlich gegenüber zu stehen. Er war nur um Einiges älter als sein Ururgroßonkel zu Lebzeiten, um den sich in Australien noch immer Mythen ranken, und der irgendwo nach seinem Aufbruch im Jahre 1848 mitsamt seiner Expedition im Innern Australiens spurlos verschwand. Zusammen mit 6 Begleitern und den Tieren war er zu seiner Entdeckungsreise quer durch den Kontinent auf dem Weg von Brisbane an der Ostküste nach Swan-River, dem heutigen Perth an der Westküste aufgebrochen.


Lawn Hill National Park

Als die Expedition nach fünf Jahren weder ihr Ziel erreicht, noch irgendwo anders wieder aufgetaucht war, begann die Suche nach den Verschwundenen.
Obwohl mehrere Suchmannschaften ins Landesinnere aufbrachen, kehrten alle ohne greifbare Resultate an die Küsten zurück. Das Rätsel um das spurlose Verschwinden von Leichhardts gesamter Expedition blieb weiterhin ungelöst. Dafür gelang es Forschern wie Gregory, Landsborough, Sturt, Burke&Wills, Hely, Hume, McIntyre u.a. auf ihren Reisen auf alte Spuren von Leichhardt zu treffen, aber seinen endgültigen Verbleib konnten sie nie klären.

Der Forscher Gregory hinterließ seine Spur in der Rinde eines dieser Flaschenbäume im Nordwesten des Kontinents.



Meine eigenen Recherchen in Begleitung meiner eigenen Kenntnisse des Innern von Australien reichten aus, um auch das Fieber in mir zu entfachen. Auf mehreren Reisen kreuz und quer durch das australische Outback folgte ich den Spuren dieses Entdeckungsreisenden, nahm sozusagen selbst Witterung auf. Um mir ein Bild zu machen von den menschlichen Begegnungen und den natürlichen Vorgaben, mit denen auch Leichhardt mit Sicherheit konfrontiert gewesen sein dürfte. Dazu gehörten in erster Linie auch die Aborigines, die australischen Ureinwohner.
Leichhardt´s Briefe an seine Angehörigen, sein Tagebuch der ersten Entdeckungsreise von 1843 bis 1845 und verschiedene andere Bücher mehr hatte ich gelesen. Darunter auch den Roman „Voss“ des australischen Literatur-Nobelpreisträgers Patrick White, der seinen fiktiven Forscher und sein vermeintliches Ende eingebettet in seine Zeit so beschreibt, dass nur Leichhardt gemeint sein kann. Ich hatte mich gründlich auf die Person des Ludwig Leichhardt eingestimmt, als ich mich selbst erneut nach Australien auf den Weg machte, um dieses noch immer offene Rätsel endlich zu lösen…


Unterwegs in Western Australia

Meine nachfolgende Spurensuche im FourWheelDrive quer durch den Kontinent zeigt einige Stationen dieses Forscherlebens des neunzehnten Jahrhunderts, in dessen Mittelpunkt die Entdeckung weiter Landstriche und die damit einher gehende Besiedelung des Kontinents stand. Berührungen mit der Welt der Aborigins und ihrer Mythen sind selbstverständliche Attribute einer jeden Entdeckungsreise ins Innere Australiens – auch heute noch. Deshalb kreuzt meine Reiseroute auf den Spuren von Ludwig Leichhardt auch ganz selbstverständlich die Traumpfade der Ureinwohner. Ich habe gerne die Aufgabe übernommen, den Mythen der Traumzeit unter der Rubrik Mythologie der Ureinwohner einen Platz einzuräumen und die auch heute teilweise noch sehr archaische Welt der Aborigines in wenigen Beispielen unserem westlich geprägten Verständnis ein wenig näher zu bringen.


Der GeikiGorge im Nordwesten. Ein Versammlungsort der Aborigines in den Kimberleys


Aufbruch in eine neue Welt...

Das, was wir über den Entdeckungs-reisenden und Naturwissenschaftler Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt wissen, lässt sich auch in der Vielzahl von seinen über 200 Briefen nachlesen. Allein 40 davon sind zusammengefasst in seinen Briefen an seine Angehörigen in seiner Heimat Preußen, deren Inhalt in Auszügen hier zitiert wird.
Mit einem britischen Pass kommt Leichhardt als 28-jähriger im Februar des Jahres 1842 in Sydney an. Um seine finanzielle Unabhängigkeit bemüht, hält der Neuankömmling und studierte Naturwissenschaftler Vorträge, gibt Privatunterricht und bewirbt sich um eine Anstellung im botanischen Garten der Stadt.

„…doch war ich noch zu unbekannt und zu kurze Zeit hier, und deshalb gelang es mir nicht. Ich hätte nicht nur ruhig fortstudieren können, sondern man würde mich selbst noch dafür bezahlt haben.“

Leichhardt beschließt daraufhin, seine Kenntnisse der australischen Geologie, Flora und Fauna auf eigenen Exkursionen zu erweitern. Er durchstreift die Gegenden nördlich von Sydney, bis hinauf an die Grenzen der damaligen Kolonien nahe des heutigen Brisbane. Er erkundet die Steinkohle-vorkommen um Newcastle und sammelt botanische Proben ein.

Flaschenputzer

Unterwegs erfährt Leichhardt von einer geplanten Expedition nach Port Essington an der Nordküste Australiens, dem Brückenkopf nach Indien, der er sich anzuschließen gedenkt. Doch als er nach Sydney zurückkehrt, hatte dieses Unterfangen keine offiziellen Geldgeber gefunden.

Da mein Verlangen. eine solche Reise zu unternehmen, groß war, entschloss ich mich, dieselbe auszuführen, ohne die Unterstützung der Regierung.“

Ohne große Verzögerung bringt Leichhardt die nötige finanzielle Unterstützung auf und stellt seine erste Mannschaft zusammen. Seine Geldgeber sind vornehmlich daran interessiert, neue landwirtschaftlich nutzbare Gebiete weiter im Landesinneren für sich zu erschließen und vertrauen dem Entdeckungsreisenden ihre Mittel an. Voller Begeisterung und Tatendrang nimmt Leichhardt die Herausforderung an. Die Bescheidenheit seiner wissenschaftlichen Ausrüstung kann ihn nicht von seinem Vorhaben abhalten.


Auch heute noch ist der Kontinent über große Strecken hinweg beinahe menschenleer. 

„…Das tropische Innere des Kontinents verspricht meinen wissenschaftlichen Forschungen eine reiche Ernte, und wahrscheinlich wird meine Reise selbst für die Kolonie recht nützlich werden, indem sie eine Kommunikation zwischen der Ost- und der Nordküste eröffnen wird… Sollte ich so glücklich sein, das Ziel meiner Reise zu erreichen, so wird wahrscheinlich die Kolonie mir meine Auslagen zurück bezahlen. Doch sollte ich auch nicht nach Port Essington kommen, so werde ich soviel von dem Kontinent sehen, dass die Wissenschaft in geographischer, geologischer und botanischer Hinsicht einen bedeutenden Zuwachs gewinnen wird.“

Schon bald schifft sich die Expedition nach Moretonbay ein, wo sie an Land geht. Angeführt von Leichhardt erreicht seine 1. Expedition am 7. Oktober 1844 den Condamine River, östlich von Brisbane im heutigen Queensland. Die Gruppe besteht aus 8 Personen, 15 Pferden, 16 Ochsen und Hunden. Der Proviant aus Mehl, Zucker, Salz, Tee und Gelatine. Pulver und Schrot für die Jagd ist für eine Reisedauer von 7 Monaten berechnet. Jeder hat 3 Hemden, 2 Hosen und 2 Paar Schuhe. Die von Leichhardt veranschlagte Entfernung beträgt 2000 englische Meilen, mehr als 3000 Kilometer.


Die Suche nach Wasser und Proviant bestimmt Leichhardts Entdeckungsreisen

Zunächst ist Leichhardts Expedition von den drängendsten Problemen einer solchen Entdeckungsreise in Anspruch genommen. Da das Innere des Kontinents in weiten Teilen sehr trocken ist, sieht sich ihr Anführer gezwungen,…

“täglich zu recognoscieren und Wasser zu finden, zu welchem wir am folgenden Tag gelangen konnten.“

Geographisch genau notiert und skizziert Leichhardt alle landschaftlichen und topographischen Auffälligkeiten. An guten und wasserreichen Lagerplätzen hinterlässt er seine Initialen „LL“ in der Rinde der Bäume. In seinem Tagebuch notiert er:

„…Auf dem Weg zum Wasser trieben wir eine Herde von acht Känguruhs auf, von denen die Reiter, unterstützt von unserem Jagdhund, eines zur Strecke bringen konnten.“


Unterwegs im Daintree National Park in Nordqueensland

Die Expedition schafft täglich 8 bis 9 englische Meilen mit ihren Tieren. Er überquert die Great Dividing Range und nähert sich bereits dem Golf von Carpentaria, als am 28. Juni 1844 das Lager in der Nacht von Aborigines überfallen wird. Zwei seiner Männer werden durch Speere verwundet, der Ornithologe Gilbert getötet. Leichhardt selbst bleibt unverletzt.

“…Die Schwarzen flohen, sobald der erste Schuss fiel. Ich begrub Herrn Gilbert und setzte nach zwei Tagen meine Reise fort… Ich kreuzte den „Nassau“, den „Van Diemen“ und einen kleinen Fluss, den ich den „Gilbert“ nannte.“


Der Nicholson-River in Nordqueensland

Nach seinen eigenen Berechnungen und in 11 Monaten rund 2000 zurückgelegten englischen Meilen hätte die Expedition hier fast am Ziel sein müssen. Die Wirklichkeit sah anders aus:

„…Die Schwierigkeit in meinen Reisen liegt in der Länge der Zeit, während welcher ich in den bewohnten Teilen der Kolonie, von jeder möglichen Unterstützung entfernt bin… Mir fällt gewöhnlich die schwerste Arbeit zu…Wenn des Tages Arbeit vorüber ist und wir ein neues Lager aufgeschlagen, erfordert es sehr große Energie,… wissenschaftliche Beobachtungen zu machen. Verlassen wir die Flüsse, so bin ich gezwungen, oft 30 bis 50 Meilen voraus zu reiten, um Wasser zu finden, während die übrigen Gefährten mit Ausnahme eines Schwarzen,…im Lager bleiben…“


Die Leichhardt Falls am Leichhardt-River in Nordqueensland

Der Zwang, täglich Wasser und Weideland für seine Tiere finden zu müssen, führt Leichhardt auch an diesen, später nach ihm benannten Fluss, dem Leichhardt River mit den Leichhardt-Falls.
Aber hier trennten seine Expedition noch viele Meilen von ihrem Ziel Port Essington, nördlich des heutigen Darwin gelegen.

Ich folgte , nachdem ich zwei bedeutende Salzwasserflüsse … gekreuzt hatte, einem Süßwasserflusse, den ich weit hinauf zu dem Plateau von Arnhemland verfolgte. Die Gegend war bisweilen sehr schön. Ich nannte diesen Fluss den „Roper“, nach einem meiner Begleiter.“


Roper Bar und Roper-River

Die teilweise sehr üppige Vegetation des tropischen Nordens bietet Leichhardt und seinen Männern eine willkommene Abwechslung in ihrem Speiseplan. Auch die Fliegenden Hunde gehören dazu.

       
MatarankaQuelle und Flying Foxes in den Palmkronen

Eine der Roper-Quellen entspringt hier.

In Mataranka sprudeln täglich viele Millionen Liter Wasser aus einem natürlichen, unterirdischen Reservoir hervor. Als Leichhardt dieses Gebiet erreicht, ist er noch immer 500 Meilen und zwei beschwerliche Monate von seinem Ziel
entfernt.
Je weiter die Expedition ins Innere und dann in die Tropen vordringt, werden die Ureinwohner zu ständigen Begleitern, wenngleich sie sich auch meist verborgen halten und die Eindringlinge nur beobachten. In den küstennahen Gebieten der Kolonie Neusüdwales waren sie bereits von den europäischen Neuankömmlingen weitestgehend verdrängt.

Die Stämme der Schwarzen sind jetzt fast ganz geschmolzen, wenigstens ist ihr Unabhängigkeitsgefühl gebrochen, und sie begnügen sich mit den Brocken, die vom Tische des weißen Mannes fallen. Und so wird es überall sein, wo europäische Zivilisation auf einmal und ohne Vorbereitung mit den Wilden in Berührung kommt – und so war es überall…“

Was der Forscher bereits vor 160 Jahren in einem seiner Briefe schrieb, hat bis heute Gültigkeit in diesem Land. Zu groß war der Schaden, den die Einwanderer während der Inbesitznahme des Kontinents unter der Urbevölkerung angerichtet hatten. 


Touristenattraktion am Hafen von Sydney

Am 17. Dezember 1845, sechzehn Monate nach seinem Aufbruch in Sydney und nach vierzehneinhalb Monaten in der Wildnis ist Leichhardt endlich am Ziel.

Ich war tief erschöpft, mehr geistig als körperlich, als ich in Port Essington ankam… Am Ende meiner Reise quälten mich Unannehmlichkeiten mit meinen Gefährten so sehr, dass ich es kaum einen Monat länger ausgehalten haben würde.“


Reifenpanne auf der Gibb-River-Road

Die Expeditionsteilnehmer haben Glück. Ein Schiff nimmt sie mit zurück nach Sydney.
Kaum von den Strapazen erholt, denkt Leichhardt an Bord der „Heroine“ bereits in die Zukunft

Wenn ich nach Sydney zurückkomme, werde ich meine Reise ausarbeiten… Nachdem ich dies vollendet habe, werde ich versuchen, mir Mittel zu einer anderen Reise, von der Ostküste, durch das Innere von Australien zur Westküste, nach Swan River, zu verschaffen. Und ist mir dies gelungen, so werde ich von Swan River an der Westküste entlang nach Port Essington hinaufgehen…“

Der Jubel bei Leichhardts Ankunft in Sydney ist grandios. Da man geglaubt hatte, Leichhardt sei längst gestorben oder von Eingeborenen getötet worden, hatte ein Freund bereits einen Grabgesang gedichtet.

„… plötzlich stieg ich aus dem Grabe hervor, erfolgreich mit meinen Unternehmungen, mit Entdeckungen schöner, früher unbekannter und fast ungeahnter Länderstrecken in meiner Tasche…“


Diese Leichhardt-Statue in Sydney
erinnert neben anderen an die erfolgreichen Entdeckungen der Forscher des neunzehnten Jahrhunderts 

Während der Jubel über seine herausragende Leistung bis nach Europa hinüber schallte, was ihm die Goldmedaillen der Geographischen Gesellschaften in London und Paris einbringen wird, vollendet Leichhardt in englischer Sprache sein „Tagebuch einer Landreise durch das Innere Australiens von Moretonbay nach Port Essington“.

Und er wendet sich vehement seinem neuen Lieblingsprojekt zu:

Ich habe die Absicht, zu den Tropen hinauf zu gehen und in einer Breite von 22° bis 23° zu der Westküste von Australien hinüber zu dringen und diese gegen Süden bis nach Swan River zu verfolgen.“


Unterwegs auf der GibbRiverRoad im Nordwesten


Dieser Plan misslingt im ersten Anlauf. Kaum, dass er und seine Begleiter bewohnte Gebiete verlassen haben, müssen sie nach langen Strapazen ihr Ziel aufgeben. Eineinhalb Jahre nach seinem Triumph der ersten Reise kehrt Leichhardt gesundheitlich angeschlagen von dieser gescheiterten Expedition zurück nach Sydney.
Aber er denkt nicht ans Aufgeben und plant bereits für eine neue Entdeckungsreise nach Swan River.
Mitten hinein in diese Vorbereitungen platzt seine Begnadigung durch den preußischen König. Der als Deserteur und auf der Flucht vor seinem König nach Australien gekommene Leichhardt schreibt an seine Angehörigen:

Es ist ein beruhigendes Gefühl, mit dem Vaterlande im Frieden zu sein, ungehindert zu ihm zurückkehren zu können, selbst, wenn das Schicksal es wollte, dass meine Wünsche in dieser Beziehung nie in Erfüllung gehen.“


Einer von rund zweihundert Briefen, die Leichhardt schrieb 

Mount Abundance, 450 Kilometer westlich von Brisbane ist der Ausgangspunkt von Leichhardts dritter Unternehmung. Hier schreibt er einen letzten Brief an seine Freunde in Sydney, bevor er die Zivilisation für lange Zeit verlässt.

Der Zweck meiner neuen Reise ist die Entdeckung des Innern von Australien, die Ausdehnung von Sturts Wüste… Hier bin ich wiederum auf den Grenzen der bewohnten Kolonie und in drei Tagen sagen wir den europäischen Ansiedlern Lebewohl. Es ist ein langes Lebewohl, denn ich kann nicht hoffen, ich kann selbst nicht wünschen, diese Reise nach Swan River in weniger als zwei Jahren zu vollenden.“


Knorriger Eukalyptus am Cooper Creek in Outback Queensland


„Während sich… die Küsten von Neu Holland allmählich beleben, ruht das Innere noch in völligem Dunkel. – Dieses Innere, dieser Kern der dunklen Masse, ist mein Ziel , und ich werde nicht eher nachlassen, bis ich es erreiche.“



Der letzte Brief…

Nach dem 3. April 1848 verliert sich die Spur von Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt und seiner Expedition auf dem Weg nach Swan River, dem heutigen Perth in Westaustralien.
Leichhardt gehörte zu den Pionieren der Erforschung und Besiedelung Australiens, aber er war nicht der Einzige. Andere, wie zum Beispiel Sturt, Mitchell, Eyre und Kennedy hatten offizielle Aufträge der Regierung erhalten, um Klarheit in die Rätsel zu bringen, die der fünfte Kontinent teilweise noch bis heute in seinem Innern birgt.

  
Drehreise zu einer Leichhardt-Dokumentation 1995:
Typisches Bild im Outback, ein 50 Meter langer Roadtrain

Leichhardt verfügte bereits über ihre Erkenntnisse und kalkulierte sie bei seinen Reisen mit ein.Er wusste von Sturts Steiniger Wüste, und er wusste vom Cooper Creek, auf den auch Mitchell und Kennedy aus verschiedenen Richtungen gestoßen waren und der sich, Kennedys Angaben zufolge, in Sturts Wüste verliert.


Im Überschwemmungsbereich von Coopers Creek im Channel Country / Outback Queensland

Gibt es womöglich eine Verbindung zu Leichhardt? Hat er womöglich seinen Plan, Sturts Wüste in der Breite des südlichen Wendekreises zu umgehen, geändert und selbst eine Abkürzung gewagt? Dann müsste auch Leichhardt auf den Cooper Creek gestoßen sein, mehr als 1000 Kilometer von der Ostküste entfernt.
Hat dieser Fluss im Channel Country in Outback Queensland, der in plötzlichen Überschwemmungen viele Kilometer breit werden kann, die sieben Teilnehmer der Expedition mit ihren Pferden, Maultieren und Ochsen einfach weg geschwemmt? Oder fanden die Männer doch eher den Tod durch Eingeborene?


Cooper Creek in der Nähe von Windorah in Outback Queensland

Auch am Cooper Creek wurden damals von den ausgesandten Suchexpeditionen Spuren gefunden, aber keine war so eindeutig, dass sie das rätselhafte Verschwinden hätten erklären können. Auch spätere Entdeckungsreisen zur Erschließung des Kontinents brachten wenig neue Erkenntnisse.
Ist Leichhardt am Ende der Vorwurf seiner Neider zum Verhängnis geworden?

Das Verlangen, das Innere von Australien zu erforschen, wuchs um so mehr, je mehr es mich verdross, dass einige törichte Gesellen es mir zum Vorwurf machten, mich zu sehr an der Küste gehalten zu haben. Ich hielt mich da, wo ich mich nach meinen Mitteln halten musste, oder ich würde nie nach Port Essington, nie über 3000 Meilen gewandert sein.“

Zwanzig Jahre nach seinem rätselhaften Verschwinden gibt es von offizieller Seite keinen Zweifel mehr an Leichhardts Tod. In seinem Testament hatte der Forscher selbst verfügt, dass

„…meine botanischen und geologischen Sammlungen für das Museum of Natural History in Sydney bestimmt sind.“
„…mein Geld, meine Tagebücher, Aufzeichnungen und anderen Papiere, die mit meinen Recherchen und Reisen in Australien zu tun haben, meinem Schwager in Cottbus zugehen.“


Eine Wanderdüne am Rand der Simpson-Wüste

Sollte es Leichhardt und seiner Expedition gelungen sein, bis hierher an den Rand der Simpson Wüste vorzudringen, ist es wahrscheinlich, dass die Männer verdursteten. Hat der Forscher vielleicht unter einer dieser Wanderdünen sein ewiges Grab gefunden? Dann ist es immerhin möglich, dass das Rätsel um sein bis heute noch spurloses Verschwinden eines Tages doch noch ans Licht kommt.


GantheaumePoint am Indischen Ozean in West Australien


Meine Reisen führten mich auf Leichhardts Spuren seiner ersten Entdeckungsreise bis nach Darwin, über die GibbRiverRoad im Nordwesten bis nach Broome an den Indischen Ozean. Ich hielt mich im roten Herzen dieses riesigen Kontinents auf und landete mehrfach am Cooper Creek im Channel Country, im äußersten Westen von Queensland. Dort, so hatte ich das Gefühl, liefen viele Fäden zusammen. Eine Erklärung gab und gibt es dafür nicht.


Hier am Georgina-River in Outback Queensland wurden Spuren der Leichhardt-Expedition gefunden.

Auch der Georgina River, der Leichhardt River und der Diamantina River in Outback Queensland zogen mich nicht nur einmal magisch an. Viele Relikte aus Leichhardts Epoche waren dort belegt, wenngleich auch heute nicht mehr auffindbar. Bäume mit Leichhardts Initialen waren ausgebrannt oder aus einer Laune heraus einfach gefällt worden und in einem Museum gelandet.


Hinweisschild auf die Glenormiston-Station am Georgina-River

Man fand Hinweise und vermutete seine Anwesenheit in einer Gegend, die noch heute zu den „remotest areas“ in Australien gehören, die Gegend nördlich der Simpson Desert. Dort verbindet der Donohue-Hwy, eine 700km lange Dreck- und Staubpiste, den Ort Boulia mit dem rund 800 km entfernten Alice Springs.


Beginn des DonohueHWY bei Bulia, Qld

Vielleicht dauert es noch Generationen von Australiern, bis einer zufällig auf die sterblichen Überreste der Expeditionsteilnehmer stößt?
Oder vielleicht geben die Ureinwohner ihr Geheimnis preis, was mit Leichhardt und seinen Begleitern geschehen ist? Mutmaßungen über den Verbleib gibt es zahlreiche. So weit es mir möglich war, habe ich sie verfolgt.


Nicht alltägliche Begegnung auf dem Weg nach Birdsville: Mit seinen Kamelen durchquert dieser Mann den Kontinent von Ost nach West in seiner ganzen Breite. Auch heute noch ein Abenteuer der besonderen Art.


Das, was viele Experten seit dem Verschwinden des Forschers gesammelt hatten, beeinflusste meine Reiserouten. Sein Schicksal konnte aber auch ich nicht ans Licht bringen. Was ich allerdings auf diesen Reisen kreuz und quer durch Australien und auf den Spuren von Ludwig Leichhardt gelernt und erfahren habe, sprengt den Rahmen einer üblichen Landreise als Touristin. Das, was diese Reise bei mir freisetzen konnte, hätte ich im dicht bevölkerten Europa, in dem ich lebe, wohl kaum entdeckt. So aber war ich auf jeder meiner Reisen über Wochen und Monate der Natur dieses unvergleichlichen Kontinents ausgesetzt und wurde Teil dieses Landes und seiner Geheimnisse. Dabei entdeckte ich auf ganz natürliche Weise die Welt der Aborigines und ihrer archaischen Gesetze, die von Generation zu Generation mündlich überliefert werden. Und ich erlebte, wie der tragische Eingriff der weißen Eroberer in diese über Jahrtausende intakte Menschheitskultur viele Wunden geschlagen hatte. Noch heute sprechen die Aborigines von einer verlorenen Generation. Diese Lücke, die die Einwanderer von Anbeginn der Besiedelung des Kontinents geschlagen haben, trägt ihre Narben für jeden sichtbar.
An den dicht besiedelten Küsten Australiens dominieren die Europäer und inzwischen auch der Asiaten, während das Bild im Innern auch heute noch geprägt ist von den Ureinwohnern. Die Weißen bilden hier eher die Minderheit.

Richtungsweiser im NeverNever von West Queensland

Aber es hat sich etwas verändert in Australien. Der Kontinent hat sich auf einen eigenen Weg gemacht, seine Welt neu zu gestalten. Und daran hat die Kultur der Aborigines zunehmend und behutsam ihren Einfluss genommen. Die Kinder der Einwanderer lernen inzwischen ein anderes Bild von ihrer Heimat kennen, als es noch vor 35 Jahren der Fall war, dem Zeitpunkt meiner ersten Reise nach Downunder. Dazu gehört sicher auch die offizielle Anerkennung der Weißen an der Mitverantwortung gegenüber denen, die schon immer hier lebten. Der Anteil der Aborigines an der Bevölkerung wird damit immer normaler im Alltagsbild einer Welt im Wandel. In mancher Hinsicht kommt mir dieses Australien, dieser Kontinent downunder, inzwischen so vor, als hätte man dort bereits entdeckt und erkannt, was künftig zählt...

 
Am Rande der Simpson-Desert: Pelikane auf dem Diamantina-River

Aber nochmal zurück zu Leichhardt, diesem deutschen Australienforscher des neunzehnten Jahrhunderts: Vielleicht wäre die Entdeckung seiner sterblichen Überreste sein größter Triumph? Vielleicht wartet er nur darauf, der Welt endlich zeigen zu können, wie weit er wirklich in dieses Innere vorzudringen vermochte, bevor er und seine Begleiter ihr Leben verloren? Der unruhige Geist seiner Zeit mag dann endlich Ruhe finden. Noch haften wir wohl alle irgendwie an dem, was Leichhardt seiner Zeit und uns in einem Zitat hinterließ:

„Liegt im Worte Fortschreiten nicht schon, dass das Bleiben nicht die Hauptsache sein kann? Es muss stetige, an der Stelle heftende Menschen geben, welche das verarbeiten, was der Wanderer sammelt und entdeckt, aber es muss auch Wanderer geben, welche dadurch das stockende, träge Blut ihrer Lebensgenossen aufregen…, dass sie ihren Kopf mit neuen Anschauungen, mit dem bisher Unerhörten bereichern.“

© Claudia Karsunke alias AustreliaSP.S. Es würde mich freuen, mit diesem Blog eine Lücke geschlossen zu haben und wissenswert Neues aus persönlicher Sicht über die Besiedelung und Erforschung Australiens weiter zu geben. Im Gegenzug lade ich alle Leser und Stöberer des Webspace herzlich ein, sich mit mir in Verbindung zu setzen und eine Kontaktbörse in Sachen Ludwig Leichhardt zu eröffnen.München, den 29. März 2009



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